Dienstag, 13. Oktober 2009

Back to the roots...




Endlich schaffe ich es, einen etwas ausführlicheren blog Eintrag zu schreiben. Wenn dass Netzwerk nicht immer zusammenbrechen würde, hätte ich dich diesen Text auch schon vor 5 Tagen abgeschickt – er ist also schon ein bisschen veraltert... Ich hoffe, es wird euch nicht zu lang... ich könnte mittlerweile schon zehnmal so viel schreiben, wie das jetzt Folgende – aber das verschiebe ich auf spätere Einträge. Ich bemühe mich auch, in Zukunft häufiger und dafür kürzere Einträge zu schreiben. Ich konzentriere mich jetzt erstmal auf die wesentlichen Ereignisse; Geschichten, Eindrücke und Einschätzungen folgen dann später.
Jetzt bin ich schon seit drei Wochen auf dem Kontinent, auf dem ich entstanden bin – auf der einen Seite fühlt es sich so an, als ob ich schon Ewigkeiten hier wäre, so viel ist schon passiert; auf der anderen Seite steh ich immer noch ganz am Anfang, hab mich noch nicht einleben und –arbeiten können, was vor allem daran liegt, dass ich bis jetzt nur am hin und her reisen war. Ich gebe euch mal eine kurze Zusammenfassung von dem, was ich bis jetzt gemacht habe. Als ich Montagmorgen auf dem Flughafen stand, ist zwischenzeitlich ist meine ganze Motivation und positive Einstellung zu diesem Jahr verloren gegangen. Mit meiner Überzeugung, dass es mir, wo Krischan schon weg war, recht leicht fallen würde, meine Heimat zu verlassen, lang ich ziemlich daneben. Mittlerweile vermisse ich Hamburg und euch alle zwar immer noch sehr, ich konnte mir aber auch die ganzen guten Gründe, warum ich nach Uganda gehen wollte, wieder ins Gedächtnis rufen. Jetzt befinde ich mich in einer Gefühlsachterbahn, deren Fahrbahn aber immer ebener und gleichmäßiger wird. So, zurück zu meiner Zusammenfassung: Als ich mit den anderen Freiwilligen (wir sind neun gewesen, insgesamt sind in Uganda mit dem DED aber 22, die anderen sind schon seit August hier) Montagabend in Entebbe ankam, wurden wir abgeholt und sind nach Kampala gefahren – schon allein auf dieser 45-minütigen Fahrt hätte ich als Fahrerin wahrscheinlich schon 5 Menschen an- oder umgefahren – aber dem Verkehr widme ich noch einen eigenen blog Eintrag. Von Dienstag bis Samstag früh hatten wir dann unsere „orientation“ in der Hauptstadt und haben über Sicherheit und Kultur geredet, unsere Konten eröffnet und Sehenswürdigkeiten angeguckt, unsere Projektpartner kennen gelernt – zusammengefasst: wir wurden zunächst ins lauwarme Wasser geworfen, bevor sie uns dann Samstag ins kalte gelassen haben.
Bevor ist weiter berichte, möchte ich euch an dieser Stelle kurz mein Projekt vorstellen: Edirisa begreift sich selber als Organisation „to promote ....“ – sie haben also vier verschiedene Zweige: education (primary and nursery school), multimedia (blog und Radiosendungen für junge Ugander), tours (für Touristen, eher low budjet, also eher für junge Leute) und last but not least CRAFTS, „mein“ Bereich. Edirisa gibt es seit 10 Jahren und wurde von einem Slowenen (Miha) und seiner ugandischen Frau (Pamela) gegründet. Angefangen haben sie mit crafts und education am Lake Bunyonyi – THE HEART –, da wo ich jetzt wohne und arbeite. Dort haben sie eine Schule aufgebaut und gleichzeitig die Frauen um den See herum animiert, neben ihrer Subsistenzwirtschaft Kunsthandwerk zu machen, ihnen die Produkte abgekauft und workshops für sie veranstaltet. Dann haben sie einen Laden, ein kleines Hostel mit Restaurant und Coffee Shop und ein kleines Museum in Kabale errichtet – THE HOME. Von dort aus organisieren sie auch die tours. Ein weiterer Laden kam dann nördlich von Kabale in Fort Portal, der Heimat von Pamela, hinzu. In Nkozi, einem Universitätsdorf ziemlich direkt auf dem Äquator – der Ort besteht wirklich nur aus der Uni und vielleicht noch 20 anderen Häusern – entstand dann 2007 THE GARDENS, wo zur Zeit ein Studio aufbauen, um von dort aus Radiosendungen zu machen und wo sich Studenten treffen können, um sich auszutauschen, JAM sessions zu veranstalten und so weiter – da arbeitet David, ein anderer Freiwilliger vom DED. So, nach diesem kurzen Einblick in die Grundidee des Projekts, nun weiter in meinem Bericht. Als sich Samstagmorgen alle auf den Weg zu ihren Projekten begeben haben – also „up country“ gegangen sind (was alles außerhalb Kampala ist, heißt beim DED „up country“) – bin ich mit Miha und David zunächst nach Nkozi gefahren und hab dort zwei Nächte verbracht um den Projektstandort kennen zu lernen sowie mit Pamela zu reden, die zuständig für den crafts Bereich ist. Montag bin ich dann nach Kabale weitergefahren. Eine Busschüttelfahrt von sieben Stunden, in der meine Wirbelsäule bestimmt um einen Zentimeter gestaucht wurde – ich werde nie wieder den Fehler machen, mich nach hinten in einen Bus zu setzen, da fliegt man bis an die Decke hoch, vorne hüpft man nur leicht. Ich habe nämlich das große Los gezogen, dass die Straße zwischen Kampala und Kabale eine der schlechtesten Landstassen in Uganda ist – ich habe aber vielleicht Glück und sie haben die Strecke am Ende meiner 12 Monate vollkommen ausgebessert. Zu den Busfahrten werde ich auch noch später kommen. Schon der Aussicht wegen lohnt sich die Fahrt aber trotzdem.
Dienstag habe ich dann in Kabale eine kurze Einführung in crafts bekommen und bin ein bisschen durch den Ort geführt worden – ich finde die Größe genau richtig, man kriegt alles, was man braucht, wird aber nicht direkt überfahren, wenn man einen Fuß auf die Straße setzt. THE HOME ist total schön: schlicht, aber nett eingerichtet, angenehme Atmosphäre und viele interessante junge Leute, die dort entweder arbeiten oder auf der Durchreise sind.

Mittwoch bin ich dann zum HEART gefahren, meinem neuen zu Hause, einem wunderschönen Plätzchen auf dieser Erde, was ich euch gerne ein bisschen genauer vorstellen würde. Von Kabale fährt man eine halbe Stunde lang zum HEART, was auf einer Halbinsel direkt am Lake Bunyonyi liegt.
THE HEART besteht aus ein paar Lehmhütten, in denen jeweils vier Freiwillige wohnen können, einer Küche für Freiwillige, einem Gemeinschaftsraum/Bibliothek/Esszimmer/Arbeitszimmer und dem „Flowerhouse“, in dem ich wohne. Es besteht aus drei kleinen Zimmern – in der Mitte ein Aufenthalts-/Lagerraum, rechts davon ein Zimmer in dem Miha und Pamela schlafen, wenn sie zum HEART kommen und links davon ein Zimmer, in dem Langzeitfreiwillige schlafen, also auch ich. Zur Zeit bin ich alleine, vielleicht leistet mir irgendwann noch jemand Gesellschaft.

Insgesamt sind über den Sommer viele Freiwillige da, die vor allem unterrichten. Jetzt ist nicht viel los und ab Ende Oktober wird es wohl noch leerer, ich hoffe einfach, dass ich dann nicht alleine bin (wonach es zur Zeit leider aussieht). Oberhalb des Flowerhouse sind noch zwei Gebäude, in denen ein paar Lehrer wohnen, die in der Primary und Nursery School unterrichten, die ganz oben am Hang sind. Mehr ist dort auch nicht zu finden. Das nächste Dorf ist ein Stückchen entfernt – wenn die Schule aus ist, ist es bei mir also ziemlich ausgestorben, aber auch sehr schön ruhig und idyllisch. Was noch eine besondere Erwähnung verdient, sind Dusche und Klo. Die Dusche ist aus Brettern, die allerdings nicht immer ganz dicht sind, sodass man aufpassen muss, dass man nicht gesehen wird, was eh schon gar nicht so einfach ist, weil der Hang recht steil ist und man leicht von weiter oben in die Dusche reingucken kann (was leicht ungünstig ist, wenn Bauarbeiter grade über der Dusche an einem neuen Gebäude arbeiten...).

Was die ganze Sache noch verkompliziert, ist, dass man oben am Hang den Hahn eines Kanisters aufdrehen muss, dann zurück zur Dusche laufen muss, um dort den Hahn aufzudrehen, dann aber, sobald man aufhört zu duschen, schnell den Hang hoch rennen muss – dies geschieht natürlich nur mit einem hastig umgewickelten Handtuch, während die Bauarbeiter einen amüsiert beobachten – , um dort den Hahn wieder zuzudrehen, weil sonst unten das ganze Wasser überläuft. Ich bin überzeugt, dass es da irgendeinen Trick gibt, aber bis jetzt hab ich ihn noch nicht herausgefunden. Die Toilette ist ein Plumpsklo in einem Holzverschlag – es ist aber nicht irgendein Plumpsklo, sondern eins, das besonders viel Konzentration erfordert. Es gibt zwei Löcher, ein ziemlich kleines vorne und ein etwas größeres hinten. Sein Geschäft muss man also trennen und dann genau zielen, was sich als schwieriger herausstellt als ich gedacht habe. Strom ist häufiger weg als er da ist, aber das ist nicht sonderlich schlimm, weil es eh nur in dem Gemeinschaftsraum Strom gibt und man mit Kerzen auch ziemlich weit kommt. Das Schönste an meinem neuen zu Hause ist mit Abstand  der See. Wenn ich morgens, wenn es hell wird und die Vögel mir ein „Gute-Morgen-Liedchen“ singen, aufstehe, ziehe ich mir als erstes Badesachen an, laufe weniger als eine Minute runter zum See und geh im Morgenlicht schwimmen während sonst nur ein paar wenige Menschen in Einbaumkanus unterwegs sind. Das Zweitschönste ist die Ruhe – wenn man ins Bett geht, herrscht eine Stille wie ich sie noch nie vorher erlebt habe. Sie ist nicht bedrückend oder einsam, sondern eher beruhigend und tröstend.
Soweit erstmal zu meinem Wohn- und Arbeitsplatz – ich werde bestimmt noch öfter drauf zu sprechen kommen.
Freitag bin ich dann erstmal wieder nach Kabale gefahren, um am nächsten Morgen meinen Bus um 7 Uhr zu bekommen – sobald und solange es dunkel ist, komme ich nicht vom Lake nach Kabale und umgekehrt –, der mich zurück nach Kampala bringen würde.
Von meinem Geburtstag hab ich ja schon berichtet... Bis Mittwoch war ich jetzt in Kampala und habe meine Zeit mit anderen Freiwilligen verbracht, was echt schön war. Wir haben im DED Guesthouse zusammen gekocht, waren einkaufen, haben uns ausgetauscht, haben gelacht und diskutiert. Dienstag hatten wir dann noch eine Gesundheitseinheit, die wir eigentlich in der orientation week hätten bekommen sollen, aber die Frau konnte in der Zeit nicht.

Seit Mittwochabend sollte ich eigentlich wieder am Lake sein, bleibe aber jetzt doch noch in Kabale, weil ich hier grade besser helfen kann. Ich werde wahrscheinlich sowieso andauernd hin und her pendeln müssen.

Ich könnte immer so weiter schreiben und viele Geschichten erzählen, aber das verschiebe ich lieber auf den nächsten Eintrag, ihr seid bestimmt schon total gelangweilt.
In Zukunft werde ich mich, wie gesagt, bemühen, öfter und dafür dann kürzere Einträge zu schreiben.
Ich schicke euch allen ganz viel afrikanische Wärme und freue mich schon jetzt darauf, euch wieder zu sehen. Ich vermisse euch alle sehr...
Alles Liebe,
eure Solveigh

2 Kommentare:

  1. Also ich fand den gar nicht zu lange und ich könnte ewig weiter lesen.
    Blödes Internet bei euch. Ich meine bei mir ist das ja schon eher mittelmäßig, aber bei dir ist das ja echt blöd....
    denk an das, was ich dir gestern erzählt habe!

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  2. dito. is überhaupt nicht langweilig :) bitte bitte immer schön viel schreiben wenn's geht.
    Grüße aus der Provinz

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