Mittwoch, 21. Oktober 2009

Mein neues zu Hause



Jedes mal, wenn ich mich hinsetze und einen blog Eintrag schreiben will, gebe ich verzweifelt auf, weil es so vieles gibt, was ich gerne erzählen würde, dass ich einfach nicht weiß, wo ich anfangen und aufhören soll – dann geb ich meistens lieber ganz auf. So viele Eindrücke und Erfahrungen, die ich gerne schildern möchte, dass das, was euch wahrscheinlich am meisten interessiert – nämlich wie ich hier lebe und wie mein Tagesablauf aussieht – bei mir total in den Hintergrund gerät. Ich hab mir deswegen überlegt, diesen blog Eintrag meinem zu Hause zu widmen. Nachdem ich schon ein paar Bilder hochgeladen habe, aber vor lauter Problemen mit dem Internet es nicht geschafft habe, dazu zu schreiben, was ihr darauf jeweils seht, gebe ich euch jetzt mal einen kleinen Rundgang durch meinen Wohn – und Arbeitsplatz.

Ich fange mal an mit dem Blick auf das "Heart" vom Wasser aus. Es liegt an der Spitze von einer Halbinsel. Links seht ihr den "Swimming Pool" - ein durch Holzstege abgetrennter Bereich, in dem den Schülern schwimmen beigebracht wird - die meisten Menschen, die um den Lake herum leben, können nicht schwimmen, was dazu führt, dass monatlich Leute ertrinken...
Rechts seht ihr eine der kleinen Hütten, in denen "short term volunteers" untergebracht werden - meistens welche, die für ein oder zwei Monate an der Schule unterrichten. In eine Hütte können bis zu vier Leute unterkommen.
In der Mitte, etwas erhöht, liegt die "Canteen", der Aufenthaltsraum. Schräg links dahinter könntet ihr das "Flowerhouse" sehen, in dem ich wohne, wenn es nicht von Eukalyptusbäumen verdeckt würde.

Auf dem nächsten Bild seht ihr die "Canteen" von Nahem. Links ist eine kleine Bar, die ich aber noch nie belebt gesehen habe. Ich liebe die Terasse. Man hat eine wunderschöne Aussicht auf den See und ist gleichzeitig immer regengeschützt, was besonders zur Zeit besonders wichtig ist... Auf der Terasse sitzt auch immer unsere Schneiderin mit ihrer schönen, altmodischen Singer-Nähmaschine, bei deren Anblick man sich jedes mal mindestens 50 Jahre in der Vergangenheit zurückversetzt fühlt.
Um die Canteen herum wuseln auch in jeder Pause Schulkinder - manche total lieb und interessiert, manche ziemlich aufdringlich und dreist, aber das ist ja in Deutschland nichts anderes...

Auf dem nächsten Bild seht ihr den Ausblick, von dem ich grade gesprochen habe. Ich könnte stundenlang einfach da sitzen und die Einbaumkanus beobachten, die langsam über das Wasser gleiten, oder auf die Kraniche warten, die jeden Morgen und Abend an einem vorbeiziehen.
Etwas belebter wird es an Montagen und Freitagen, wenn im nächsten Ort Markttag ist und von jeder Insel Menschen zum Markt streben - manche paddeln dafür zwei bis drei Stunden lang.
Paddeln ist für mich zu einer Art Beruhigungspille geworden - es tut mir so gut, alleine über den See zu fahren, um einkaufen zu gehen oder den Laden zu kontrollieren. Dann kann ich mal, ohne mich beobachtet zu fühlen, vor mich hin singen, mal nicht für jeden gut gelaunt sein, meinen Gedanken nachhängen,...

Nächstes Bild: die canteen von innen - zwei Tische, an denen alles mögliche stattfindet - Arbeit, Essen, Spiele,... dahinter eine kleine Sitzecke mit Mini-Bibliothek. Es ist sehr amüsant sich mal die Ansammlung der Bücher anzugucken - von Kinderbüchern über Fachbücher zu Architektur hin zu slowenischen Romanen. Nicht zu vergessen die National Geographics aus den 80ern.
Hier ist auch die einzige Steckdose, nicht nur die einzige auf unserer Anlage, sondern auch in der Umgebung. Es kommt nicht selten vor, dass locals vorbei kommen, um ihr Handy aufzuladen. Unsere Mini-Solaranlage hat nur einen kleinen Nachteil - sie ist kein Experte in Energie speichern. Sprich, man hat Sprom, wenn die Sonne scheint. Die Glühbirne an der Decke ist also recht überflüssig, da es höchst selten vorkommt, dass wir mal abends Strom haben.

In der Küche sind wir zum Glück nicht auf Strom angewiesen, sondern haben zwei Gaskochplatten. Der Ausblick beim Kochen ist ziemlich unschlagbar... Alle Lebensmittel und am besten auch das Geschirr muss man in Behätern verstauen, weil wir etwas unangenehme Mitbewohner haben - die Ratten haben ihre ganze Scheu abgelegt und huschen nicht nur in der Küche herum, wenn man weg ist, sondern auch, wenn man grade am Kochen ist. Die Vögel haben auch Gefallen an unserer Küche gefunden... gegenüber vom Herd ist ein Steinofen - ich habe mir fest vorgenommen, darin einen Kuchen zu backen, mal sehn, wie das wird...

Wenn wir von Küche und Canteen weiter den Berg hochkrakseln, kommen wir zu meinem Flowerhouse - ich muss bei diesem Namen immer an Flowerpower denken. Dabei fällt mir eine sehr witzige Geschichte ein: ein Ugander hat mich gefragt, ob es in Norddeutschland "real german hippies" gibt. Ich war etwas verwirrt und hab ihn nach einer Definition von "real german hippie" gefragt und da fängt er doch tatsächlich an, einen Neonazi zu beschreiben, der stark an den alten Werten hängt, Hitler zurück will und so weiter. Mir stand nur der Mund offen - eine so konträre Definition von einem Wort habe ich noch nie gehört. Naja, zurück zu meinem Flowerpowerhouse: ziemlich in der Mitte vom Bild seht ihr ein Fenster, was zu meinem Zimmer gehört. In meinem letzten blog Eintrag habe ich euch den Ausblick aus diesem Fenster gezeigt - die Dusche, die ihr jetzt links im Bild seht.

Auf dem nächsten Foto seht ihr die Dusche nochmal von der anderen Seite. Das Wasser wird in den roten Tank hochgepumpt, wo man einen Hahn aufdreht und dann läuft das Wasser zur Dusche runter. Jeden Mittwoch haben wir "hot showers" - dann wird unter dem Tank ein Feuer gemacht und das Duschwasser dadurch erhitzt. Das Duschprozedere ist doch etwas kompliziert und an das kalte Wasser muss man sich auch gewöhnen - das führt nach einer Weile dazu, dass einem das tägliche Duschen nicht mehr so wichtig ist. Ich geh ja jeden Morgen schwimmen... Neben der Dusche seht ihr das Klo, dessen Anblick von innen ich mal weglasse. Ich hab aber die Toiletten-Regeln fotografiert, die ich sehr amüsant fand... hmm, ich stelle grade fest, dass man sie auf dem Foto nicht gut lesen kann - lassen wir das also für heute.

Stattdessen zeige ich euch noch mein schönes Waschbecken - an sich vollkommen in Ordnung, nur dass der Tank meistens leer ist und man dann zum Händewaschen und Zähneputzen bis zur Küche runterlaufen muss.
Ich vermisse meinen Luxus zu Hause nicht oft, aber wenn ich nachts im Bett liege, es draußen regnet und ich dringend aufs Klo muss, wünsche ich mich dann doch sehnlichst in diese schöne Altbauwohnung zurück, wo ich nur zehn Meter durchs Trockene laufen muss, um das Klo zu erreichen - das geht auch im Halbschlaf, während man bei einem Toilettengang hier schon ziemlich viel Konzentration aufbringen muss, besonders, weil man sonst über die ganzen Wurzeln am Boden stolpert.

Damit ihr euch die Anlage noch ein bisschen besser vorstellen könnt, hier noch ein Blick runter auf die Canteen (links) und die Küche (rechts). Mittlerweile bin ich schon ziemlich gut darin geworden, den Weg runter und hoch zu laufen - am Anfang habe ich noch recht vorsichtig jeden Schritt bedacht. Ich hab am Anfang gedacht, dass dieser Weg bei Regen zu einer Rutsche werden würde, aber das ist nur für kurze Zeit der Fall, da das Wasser extrem schnell versickert.
Zum Abschluss möchte ich euch noch ein Foto vom Sonnenuntergang gestern abend zeigen. Ziemlich kitschig, aber ich finds trotzdem wunderschön... als die Sonne weg war, bin ich mit dem Kanu auf den See rausgepaddelt und hab mir von dort einen wunderwunderschönen Sternenhimmel angeguckt. Nachdem ich euch jetzt ganz viel über meine Neben-Arbeitlichen-Aktivitäten erzählt und gezeigt habe, folgt nächstes Mal dann vielleicht die Beschreibung der Arbeit...
Bis dahin wünsche ich euch alles Liebe und hoffe, dass ihr die Zeit ohne mich in vollen Zügen genießt...
eure Solveigh







9 Kommentare:

  1. danke für die Bilder.... ich freue mich schon so auf Dezember!

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  2. das sieht schön aus und ich freue mich dann eher auf den Sommer ;)

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  3. Marie...ähm ich meine natürlich Fine22. Oktober 2009 um 13:33

    Ich bin wirklich beindruckt mit welchen Eindrücken dein Leben momentan gestaltet wird.
    Habe einen riesigen Respekt vor deinem Mut...
    ...auch ich freue mich auf den Sommer und hoffentlich auf eine "Welcome-Back-Feier"

    Liebe Grüße auch an Krischan...den Kambodscha-Block verfolge ich nämlich ebenfalls gespannt

    Solveigh, ich drücke dich und sende ein paar sonnenstrahlen aus Hannover ;)

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  4. hehe die grüße kannst du gerne auch an mich richten Fine ;)

    jedenfalls sehr schön was von dir zu hören, ist ja das erste mal, dass ich das direkt mitkriege.

    ich dachte in deutschland ist schon fast winter, da sollten wir lieber an dich und euch alle sonnenstrahlen schicken...
    freue mich jedenfalls dann auch auf die wiederkommensfeier.

    gruß
    Krischan

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  5. Hallo Scholle,
    schön von dir zu hören ;) Cossi hat mir gestern den Link geschickt! Sieht ja echt spitze aus! Ich finde du meisterst das alles ziemlich klasse, wenn man mal bedenkt, dass das da einfach ein komplett anderes Leben ist! Mein Respekt....

    Ganz liebe hamburgische Grüße
    Julia (Wilmanns -->Chor --> SBS) :)

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  6. Ich weiß doch, wer du bist, Julia - du brauchst dich nicht erklären... freu mich von dir zu hören. Und von euch allen anderen natürlich auch. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich schon auf meine Wiedersehensfeier freue. Ich kanns jetzt schon kaum erwarten...

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  7. Stark - du hast dann doch noch ein bisschen mehr Kontrast als Krischan. Wirst du dich je wieder an eine Keramik Toilette gewöhnen können?
    Alles Liebe und wir denken oft an dich,

    Axel und Co.

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  8. Ich weiß nicht, das wird alles ziemlich viel Luxus sein in Deutschland. Vielleicht gar nicht schlecht - dann fall ich nicht so tief von Hotel Mama in meine bescheidene Studentenwohnung, sondern steige eher ganz weit auf... man merkt auf einmal, wie wenig Luxus man eigentlich braucht. Andere Sachen (oder eher Menschen) vermisse ich sehr viel mehr als Luxus...

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